NEUE STROM-NETZTARIFE AB 2027: WAS ÄNDERT SICH FÜR IHREN HAUSHALT?

Ab 2027 führt Österreich schrittweise ein neues System für Netznutzungsentgelte ein. Abgerechnet wird nicht mehr allein die Strommenge (kWh), sondern auch die genutzte Leistung (kW). Ziel der E-Control ist es, Leistungsspitzen im Netz zu reduzieren und eine gleichmäßigere Netzauslastung über den Tag zu schaffen. 

WER PROFITIERT?

Rund 75 % der österreichischen Zählpunkte zahlen künftig weniger. Entlastet werden Profile mit gleichmäßigem Bezug – also niedriger Spitze relativ zum Verbrauch.

WER ZAHLT MEHR?

Rund 23 % der Kund:innen haben Mehrkosten bei hoher Spitze relativ zum Verbrauch, etwa durch ungesteuerte E-Mobilität.


Modellrechnung E-Control: Ziel 2030 – 50 % Leistungspreis – 50 % Arbeitspreis

Komponente

Bisher (bis 2026)

Neu (Endstufe ab 2030)

Änderung

Arbeitspreis
(für Strommenge)

~7,36 ct/kWh

4,53 ct/kWh (netto)

–38 %

Leistungspreis
(für Spitzenlast)

0 € (nicht gemessen)

33,82 €/kW/Jahr =
2,82 € /kW/Monat (netto)
(bis 10 kW)

67,64 €/kW/Jahr =
5,64 €/kW/Monat (netto)
(ab 10 kW)

 + neu

Pauschale

~82,80 €/Jahr
(54 € + 28,80 € Messentgelt)

0 €

 – 100 %

Hinweis: Die endgültigen Tarife werden von der E-Control Ende 2026 festgelegt. Die nachstehenden Werte basieren auf den aktuellen Begutachtungsentwürfen und werden laufend aktualisiert.

WICHTIG:

  • Arbeitspreis = Strommenge in kWh (= Energie)
  • Leistungspreis = die gleichzeitig verbrauchte Energie im Haushalt, die über das Stromnetz bezogen wird (= Leistung)
  • Voraussichtliche Startstufe 2027: 70 % Arbeitspreis – 30 % Leistungspreis
  • Mindestbemessung: 2 kW (auch bei sehr niedrigem Verbrauch).
  • Smart Meter erforderlich: 15-Minuten-Messung


TYPISCHE LEISTUNGEN IM HAUSHALT

Gerät

Typische Leistung (Verbrauchsspitzen)

Herdplatte

ca. 2 kW

Waschmaschine

1-2 kW

Geschirrspüler

ca. 1 kW

Licht/TV

Bis 0,3 kW

E-Auto (Laden, ungesteuert)

ca. 11 kW

Wärmepumpe

ca. 1,8 kW


WIE WIRD DER LEISTUNGSPREIS BERECHNET?

Der Leistungspreis basiert auf der höchsten 15-Minuten-Spitze pro Monat.
1 kWh Verbrauch (15 Min.) = 4 kW Leistung
Beispiel:

  • 18:00-18:15 Uhr: 0,75 kWh x 4 = 3 kW
  • 18:15-18:30 Uhr: 1,25 kWh x 4 = 5 kW
  • 18:30-18:45 Uhr: 3,5 kWh x 4 = 14 kW ← Ihre Monatsspitze!
  • 18:45-19:00 Uhr: 1,5 x 4 = 6 kW

Nur die 14 kW werden für den Leistungspreis herangezogen. Berechnung für diesen Monat:

  • Bis 10 kW: 10 kW × 2,82 € / kW/ Monat = 28,20 € / Monat
  • Über 10 kW: 4 kW × 5,64 € / kW /Monat = 22,56 € / Monat

Gesamter Leistungspreis für diesen Monat: 50,76 €

DIE 8 WICHTIGSTEN TIPPS FÜR VERBRAUCHER

  1. Gleichzeitigkeit vermeiden
    Schalten Sie leistungsstarke Geräte (Backofen, Waschmaschine, Wäschetrockner, Geschirrspüler) nacheinander statt parallel ein.
  2. PV-Überschuss maximieren
    Eigenverbrauch aus der eigenen Photovoltaik-Anlage schützt doppelt – er spart Stromkosten und erzeugt keine Lastspitzen im Netz.
  3. Wallbox-Leistung drosseln
    Laden Sie Ihr E-Auto nur mit 3,7 bis 4,5 kW, wenn sie keinen eigenen PV-Strom nutzen können. Das spart hunderte Euro an Netzkosten.
  4. Sondertarife bei den Netzkosten nutzen:
    SNAP (Sommer-Nieder-Arbeitspreis): April–September, 10–16 Uhr (–20 % Arbeitspreis)*
    WiNAP (Winter-Nieder-Arbeitspreis): Oktober–März, 22–4 Uhr (–20 % Arbeitspreis)*
    * Aktueller Vorschlag. Tarif wird im Herbst festgelegt
  5. Flexible Entnahme vereinbaren: Wer dem Netzbetreiber erlaubt, an bis zu zwei 4‑Stunden‑Fenstern pro Tag die bezogene Leistung zu drosseln, erhält für den flexiblen Teil der vereinbarten Leistung 75% Rabatt auf den Leistungspreis.*
    Konkret: Sie vereinbaren eine garantierte Leistung (z. B. 5 kW), die Ihnen jederzeit zur Verfügung steht, plus eine flexible Leistung, die der Netzbetreiber in den Drossel‑Fenstern reduzieren darf. Für diesen flexiblen Leistungsanteil zahlen Sie nur 25% des normalen Leistungspreises. Das Modell ist freiwillig und wird vertraglich mit dem Netzbetreiber vereinbart. Der begrenzte Komfortverzicht wird mit einem attraktiven Rabatt belohnt – besonders sinnvoll für Haushalte mit E‑Auto, Wärmepumpe oder PV‑Anlage, die Lasten leicht verschieben kö
    * Aktueller Vorschlag. Tarif wird im Herbst festgelegt
  6. Bei PV‑Anlagen den Eigenverbrauch optimieren (z. B. mit Speicher oder zeitgesteuertem Laden).
  7. Auf Monatsrechnung umstellen: So können Sie die Netzkosten zeitnah kontrollieren, reagieren und „Überraschungen am Jahresende“ vermeiden.
  8. Werden Sie Teil einer Erneuerbaren Energiegemeinschaft: Sparen Sie Netzkosten und beziehen Sie Strom zum günstigen Tarif